Mittwoch Abend, diesmal aufgrund von Überfüllung, sind wir mit der nächst höheren Klasse (3 Tier AC) mit dem Nachtzug nach Agra gefahren. Der Komfort und die Leute sind kaum mit der Sleeper Class zu vergleichen, viel reicher und ruhiger. In Agra haben wir dann relativ schnell ein nettes Guest House mit Dachrestaurant incl. Blick aufs Taj Mahal gefunden. Da es Freitag geschlossen wird, sind wir noch am selben Tag rein. Schon sehr beeindruckend, aber viel mehr auch nicht. Am nächsten Tag ging es nach Fatehpur Sikri, einer Geisterstadt mit einem der höchsten Tore in ganz Asien. 54m hoch. Ein riesiger Palast hinten dran. Schöne Gärten verbessern unseren Eindruck. Die Fahrt hin und zurück (ca. 10km von Agra entfernt) macht uns allen viel Spaß, viele Eindrücke rasen an uns vorbei. Beim üblichen Warten auf das Essen (der Service im Hotel ist sehr langsam, der Rest aber super) verabschieden wir Bergo, der seine Heimreise antritt. Wir schauen uns noch den “Nature Walk” in der Nähe des Taj Mahals an, erleben einen tollen Sonnenuntergang und sehen ein paar Hornvögel und Pfaue. Sehr schöner Park, sicherlich noch schöner wenn nicht viele Wege durch Stacheldraht versperrt wären. Das Abendessen verspätet sich wie gewohnt. Da wir unseren Zug bekommen müssen, lassen wir es uns einpacken und essen es gemütlich mit unseren Händen am Bahnhof. Mit Besteck wären wir sicherlich mehr aufgefallen. Die Sleeper Class bringt uns nach Jodhpur, der blauen Stadt. Viele Häuser sind hier mit Indigo bemalt, den Grund dafür erzählen wir zu Hause. Am Bahnhof werden wir von nem jungen Mann angesprochen. Seine nette, unaufdringliche Art und der Zusatz das sein Guest House nicht im Lonely Planet steht, überzeugen uns und wir landen in einem hervorragenden Zimmer mit familiärer und freundlicher Athmosphäre. Ein Dachrestaurant mit Blick auf des Fort gibt es kostenlos dazu. Heute haben wir uns genau dieses Fort angeschaut. Einzigartig ist die Audio Tour. Man bekommt also nen MP3 Player in die Hand und entscheidet selbst welche Informationen man haben will.
Ein Ausschnitt aus der Audio Tour vom Mehrangarh Fort in Jodphur:
“Sie haben das Mehrangarh Fort betreten. Die Zitadelle der Sonne. Mehr als 500 Jahre Geschichte. Glorreich. Blutig. Sensationell. Manchmal düster. Der Stoff aus dem Mythen und Legenden sind, blickt hier hinter diesem ersten Tor auf uns herab. Vielleicht war es genau dieser Anblick der Rudyard Kipling bewegt hat zu schreiben: “Das Werk von Engeln und Riesen”. Aber vor nicht all zu langer Zeit lebten hier Könige und Königinnen und Ehrenmänner, die behaupteten von der Sonne abzustammen. Es waren die Rathores Krieger, einer der führenden Rajput Clans, die Rajasthan, das Land der Könige, für mehr als 1000 Jahre beherrscht haben. Ihr Königreich, hier am Rand der großen indischen Thar Wüste hieß damals wie heute Marwar. Wörtlich das Land des Todes. Es war 1459 als der 15 Rathora Herrscher von Marwar, Rao Jodha mit dem Bau von Mehrangarh begann und seinen Hauptsitz hierher in diese Stadt verlegte, die er gründete. Jodhpur, Jodhas Stadt. Die Geschichte der Rathoras von Jodphur ist die Geschichte eines einzigen kriegerischen Clans. Diese Mauern enthalten jedoch das gesamte Spektrum der indischen Geschichte vom Mittelalter bis zur Moderne.”
Bei frisch gepressten Saft und lecker Lassi bekommen wir die Ankunft des Premier Ministers von Rajasthan mit. Die Polizei versucht die Strassen unter Kontrolle zu bekommen, ist aber nur mehr oder weniger erfolgreich. Indien halt. (”If there is a rule, break it.”) :-)
Und dann wünsche ich noch meinem Papa alles Gute zum Geburtstag.
Bis bald
Antje & Gunnar
6 Kommentare zu “Vom Taj Mahal zur blauen Stadt”
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Ein sehr schöner Artikel! :-)
cewl
Hallo Ihr Beiden!
Sehr schoen, auch immer mal Eure Reiseberichte vom anderen Ende der Welt lesen zu koennen. Da werden wir uns ja viel zu erzaehlen haben.
Liebe Gruesse aus Belize nach Indien!
Claudi und Markus
Namaste
das kommt mir alles sehr sehr bekannt vor, insbesondere die nervigen Fragen what´s your name, how are you und die massen an pitures- ich frag mich bis heute was die damit wollen ; ) besonders schön ist das ja nach wenigen stunden schlaf und mit ner schweren Kraxe auf dem rücken …
Jodphur hat mir auch gut gefallen, seit ihr da grad im blue house hotel?? das ist nämlich auch nen nettes familienhotel mit Fortblick und roof top. Ansonsten kann ich euch noch udaipur (für Indien gleich in der nähe) empfehlen, wunderschönenr tempel (ganz im vergleich zu dem drecktempel in Haridwar. Und esst bloß kein omlett an dem bekannten Omlettshop am tower ….. ; (((( Aber wahrscheinlich seit ihr eh schon weiter gereist
Ich wünsch euch noch ne tolle zeit, schreibt fleißig weiter und lassts euch gut gehn. Grüsst mir Indien bis bald sagt (die) Alex
Indien kann einen total fesseln, wenn man einmal da war muss man immer wieder hin… Am Anfang hatte ich ein wenig Angst, dort irgendwie unterzugehen, aber wenn man komplett auf sich selbst zurück geworfen wird, bekommt man plötzlich ganz neue Kräfte. Es kann einen dann im Leben nichts mehr so schnell umhauen… Irgendwie ein sehr extremes Land, aber wenn man da war, sagt man sich, was hast du eigentlich in diesem Langweil Deutschland deine ganze Zeit vertan ?
Hallo, einmal Indien, immer Indien, überlege schon, ob ich mich da mal länger niederlasse…