DI 19.Sep
FrühesAufstehen hat sich bei uns langsam zur Gewohnheit entwickelt. Gleich nach dem Frühstück ging es wieder zur Tauchschule. Claudis erster Tauchgang im Flachwasser und mein Deep Dive standen auf dem Plan. Es ging wieder mal zum Hol Chan Riff vor Ambergris Caye. Obwohl sich die 31 m Tauchtiefe auch nicht anders angefühlt haben als 18 m war es trotzdem ein sehr spannender Tauchgang. Wir sollten unsere Namen in spiegelschrift aufschreiben, um zu sehen, ob bei uns schon die Stickstoffnarkose eingesetzt hat, die oft bei solchen Tiefen auftritt. Grandios war, als wir am Grund eines Canyons entlang getaucht sind, links und rechts hohe Korallenwände und wenige Meter über uns ein Hai seine Runden drehte. Nach der obligatorischen Tauchpause war der Underwater Navigation Kurs dran. Mit Kompass sollten wir verschiedene Formationen abschwimmen und am Ausgangspunkt wieder ankommen. Funktionierte ganz passabel. Auch bei dem Tauchgang gab es wieder viele große Fische zu sehen, riesige ziemlich hässliche Barsche und natürlich wieder Haie.
Im Guest House haben wir uns wieder getroffen, Claudi war von der Antikotzpille, die vom Tauchshop vor jeder Bootsfahrt prophylaktisch ausgeteilt wird (was auch zum Teil sehr nötig war) in einem ziemlich komatösen Zustand, so dass uns erst der Hunger abends wieder auf die Beine getrieben hat. Für mich waren allerdings Hausaufgaben zu den heutigen Tauchgängen angesagt. Für jeden einzelnen gibt es eine Theorieprüfung, die sich aber auf Fragenbeantworten mit Buch beschränkt.

Claudis neue Leidenschaft Das erste mal

MI 19.Sep
Wir haben ein neues sehr niedliches Frühstücksrestaurant entdeckt, eigentlich eher eine Inselkantine, die noch nicht von Touristen heimgesucht wird und deshalb sehr vernünftige Preise hat. Frisch gepresster Orangensaft wird hier in ausgedienten 1-Liter-Wasserflaschen gereicht. Wirklich prima. Dann vorbei am Inselkraftwerk, eine Hütte mit riesigen dröhnenden Dieselgeneratoren, gleich zur Tauchschule. Bei Claudi waren die ersten beiden richtigen Tauchgänge geplant, und bei mir der Multilevel-Tauchgang, den ich diesmal auch selbst planen sollte. Danach der Unterwasser-Photographie-Kurs. Leider gings nur zum Local Reef, was zwar nicht so spektakulär war, aber trotzdem ganz nett. Immerhin haben wir einen großen Stachelrochen gesehen. Dann same procedure: Claudi fällt für mehrere Stunden ins Koma und ich sitze über’m Lehrbuch uns muss Fragen beantworten.

DO 21.Sep
Wieder schönes Frühstück neben dem Inselkraftwerk. Pünktlich um 8 hat mir Pablo, mein Diving Instructor, dann feierlich meine PADI Advanced Open Water Urkunde und ein T-Shirt vom Tauchshop überreicht.
Claudi hat heute ihren letzten Kurstag, zwei 18m Tauchgänge, allerdings leider nur am local reef, sonst wäre ich mit dabei gewesen. Stattdessen habe ich ein paar andere sinnvolle Dinge wie Wäsche waschen (dringend nötig) und Karten schreiben vollbracht. Ein DJ testet gerade seine Anlage für den gleich stattfindenden Inselumzug anlässlich des Belize-Geburtstag, der hier schon seit einer Woche immer mal gefeiert wird. Reggae- und Soca-Rhythmen lassen meine Bauchdecke vibrieren. Die Inselparade gabs tatsächlich noch. Wirklich alles sehr putzig. Das Polizeiauto vorne weg, von dem Bonbons in die Menge geworfen wurden. Dann ein LKW mit 3m hohen Türmen aus Musikboxen, die die Insel und alles im Umkreis von 20 km beschallten. Dann die lokale Tanzgruppe gefolgt von Kindern der katholischen Grundschule. Dann ein aufgemotztes Golf-Cart wieder mit Musik und Aerobik-Verein. Alle in sehr bunten, sehr glitzernden und sehr knappen Kostümen, egal wie alt, wie dick oder wie schön die darin reingesteckten Insulaner waren. Aber schön anzusehen war’s auf jeden Fall. Den langen Schwanz bildete eine Golf-Cart-Kolonne. Jeder, der so ein Mobil besaß war dabei, sogar Cathy, die Chefin der Tauchschule (so um die Ende 40) war in der tanzenden Aerobik-Truppe mit dabei.
Als Claudi von ihrem Tauchgang sehr begeistert zurick kam, sind wir los zum Split. Mit Pablo hatte ich mich zum Biertrinken (der Tauchkurs wollte ja begossen werden) verabredet. Ausserdem waren da noch jede Menge anderer cooler, stylischer und natürlich extrem entspannter Leute. Der Dreadlock-Anteil war erstaunlich hoch, wie auch der Bierkonsum. Sehr kurzweilig das Ganze, allemal besser als Fernsehen.

Inselparade zum Belize-Geburtstag Inselparade zum Belize-Geburtstag Inselparade zum Belize-Geburtstag

FR 22.Sep
Heute werden leider keine gescheiten Tauchtouren angeboten, zuviel Wind, das Meer zu unruhig, also Sachen packen, noch eine kleine Phototour über die Insel und dann los. Vorher traf ich noch David, einen sehr netten Einheimischen, dem ich am Tag zuvor ein Bier spendiert hatte. Dafür wollte er sich noch unbedingt revangieren, also gabs um 9 das erste Belikin. Mit Golf-Cart gings zum Pier und dann wider erwarten eine recht ruhige Ueberfahrt nach Belize City. Taxi zum R-Line Bus Terminal. Das lag zwar in einer nicht ganz vertrauenerweckenden Gegend, dafür wurden wir aber vom Bus-Boss persönlich per Handschlag begrüsst und 1 h später gings in einem ausrangierten, auch nicht ganz vertrauenerweckender, amerikanischen Schulbus Richtung Community Baboon Sanctuary, einer Kommune bestehend aus mehreren Dörfern, deren Landbesitzer sich verpflichtet hatten, den dortigen Regenwald zu erhalten, nicht-invasive Landwirtschaft zu betreiben und die dort ansässigen Brüllaffen zu schützen. Nach endlos erscheinenden 1,5 h (In Belize können die Entfernungen ja zum Glück nicht viel groesser sein) in bruetender Hitze kamen wir am Visitor Center an. Dann grosser Schock: Mein Rucksack mit allen wertvollen Dingen (Kamera, Unterwassergehaeuse, Festplatte mit allen Urlaubsbildern) war noch im Bus, von dem nur noch eine Staubwolke zu sehen war. Glücklicherweise war ein nettes Paerchen aus Los Angeles mit Mietwagen da, mit deren Hilfe wir den Bus wenig später einholten und den Rucksack bergen konnten. Nach der Extrementspannungswoche auf Caye Caulker war sowas einfach mal nötig, um wieder in die Backpacker-Realitaet zurueckzukommen. Naechste Schwierigkeit: Wir waren die einzigen, die übernachten wollten, und Restaurants, Cabanas und Hotels waren geschlossen. Wir sind dann beim kauzigen Mr. Wilston, einem ca. 65-jährigen, seit einigen Jahren verwitweten Mann in seinem völlig verdreckten Kitschhaus untergekommen. Mit der Zeit taute er aber ziemlich auf, war wirklich richtig lieb, und zum Duschen behielten wir die Tevas eben an.
Abendessen bekamen wir von einer anderen Familie aus dem Dorf. Eine unglaublich liebe und dicke Creole-Mama hat für sehr wenig Geld uns richtig lecker aufgetischt.
Wir wollten an dem Abend noch einen Night Walk durch das Sanctuary machen, aber auf dem Weg dahin fing uns Shane, ein 25jaehriger Creole ab und erzählte uns, wie es tatsächlich mit der Kommune läuft: Es haben sich zwar alle Doerfler verpflichtet, an dem Urwald-Programm teilzunehmen, aber nur eine Familie streicht das Geld ein und macht die Touren, die das Geld bringen. Also machten wir eben den Night Walk mit Shane, der unglaublich viel zur Tier- und Pflanzenwelt erzählen konnte. Am nächsten Tag wollten wir dann auch die Kanutour mit ihm machen, aber es kam ganz anders …

Nach der Insel in den Dschungel Aeffchen

Sa 23.Sep

Früh halb sieben haben wir uns mit einem Mann, der der Zwillingsbruder von Lee ‘Scratch’ Perry sein könnte, verabredet, um Brüllaffen zu beobachten. Zu hören waren sie schon von weitem. Mit Lockrufen und Banane kam tatsächlich eine Horde mit einigen entzückenden Affenkindern angeklettert, die sich auch sehr bereitwillig füttern ließen. Irgendwann wurden wir aber vom Chef durch lautes brüllen vertrieben, als Lee Perry sehr provokant auch ein paar Brülllaute von sich gab. Dann gabs wieder ein ganz ausgezeichnetes Frühstück bei der lieben Creole-Mama, und gut gestärkt dann zu Shanes Hüttchen. Er war allerdings nirgends zu sehen, aber irgendwann kam ein Aussteiger-Pärchen aus Miami (Sol und Adena), etwas jünger als wir, vorbei und luden uns zu sich auf ihr Grundstück ein. Die ursprünglichen Kanutour-Pläne warfen wir über Bord und stiegen in ihren weißen Pickup. Nach einigen km kolossaler Holperfahrt, unterbrochen von einem kurzen Stop beim Post Office, wo die Eier abgeholt wurden (Post Office ist hier im wörtlichen Sinne zu verstehen), kamen wir in ihrem “neuen” Zuhause an: Einer einige Hektar großen gerodeten Fläche mitten im Regenwald, auf der sie Bambus anbauen wollen. (www.tafbelize.com/bamboo/) Die Setzlinge, einige 10000 Pflänzchen, wurden vor wenigen Tagen aus Miami eingeflogen. Nachdem uns Sol, er lebt seit drei Jahren hier, ein bisschen durch die Nursery, wo die Pflänzchen aufgezogen werden, geführt hat, zeigte uns Adena das Haus. Ein sehr idyllisches kleines Holzhüttchen auf Stelzen, vollkommen autark: ein kleiner Generator unter dem Haus fuer Strom, Regenwasser wird aufgefangen, zusätzlich noch Wasser aus dem Brunnen, und DSL kommt per Satellit ins Haus. Zusammen mit Walter, einem “Freund der Familie” brachen wir wenig später zu einer ausgedehnten Wanderung durch den Regenwald um ihre Plantage herum, auf. Sol und Walter mit Machete bewaffnet, voran in den Dschungel. Es gab wieder unglaublich viele interessante Pflanzen und Tiere, u.a. eine handtellergroße Tarantel zu sehen. Sol und Adena kannten sich richtig gut aus und konnten auch eine Menge erzählen. Sehr angenehme, lockere und aufgeschlossene Leute! Wir haben in den 3 h nur etwas 5% des Landes, das Adenas Vater gehört, umrundet. Die restlichen 95% sind ziemlich ursprünglicher und undurchdringlicher Regenwald, den sie unberührt lassen wollen. Nach der ziemlich schweißtreibenden Tour wurden wir sogar noch zum Lunch eingeladen. Adena hatte hervorragend gekocht, natürlich alles aus biologischem Anbau von ihnen selbst oder Bauern aus der Umgebung. Auf ihrem Land beschäftigen die beiden einige Einheimische, mit denen zusammen wir dann wieder zurückfuhren.

Etwas unruhig waren wir nur, weil wir schon 1 h vorher mit Shane zum Paddeln verabredet waren. Da sich aber im Dorf sehr schnell rumsprach, dass wir bei Sol und Adena waren, passte er uns schon dort ab und organisierte sogar noch die geplante Kanutour. Zwar nicht mit ihm aber mit einem anderen sehr netten Guide, Jeff, gings in der Abenddaemmerung auf dem Spanish Creek auf einem erschreckend kleinen Kanu auf Krokodiljagd. die waren allerdings ziemlich harmlos und so schreckhaft, dass wir leider kein einziges zu Gesicht bekamen. Mit Jeff, seiner Frau und Shane gings dann mit Reggae im klimatisierten Van zurück zum Dorf. Mr. wilston hatte in der Zeit sogar das Klo geputzt - es roch irgendwie anders - sah aber optisch nicht anders aus. Wird wohl nur mit Sandstrahler zu bewältigen sein.

Auf Dschungeltour mit Sol, Adena und Walter Zum Glueck nicht von der Tarantel gestochen

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2 Kommentare zu “Tauchscheine und neue Eindruecke”  

  1. Gravatar Icon 1 Rohrschneider, Christine

    Liebe Claudi, lieber Markus, habe eben mit großer Spannung Eure neusten Berichte gelesen. Eure Nerven sind zu bewundern! Ich wünsche Euch sehr, daß Ihr weiter so interessante Bekanntschaften machen könnt und mit allen wertvollen Rucksäcken und Fotos dann gut wieder zu Hause landet. Wo treibt Ihr in der Pampa nur immer Internetanschlüsse auf? ich finde es toll, daß wir Eure Reise so miterleben können. Vielen Dank für die ausführlichen Berichte.
    Ich breche nun am Wochenende in die Toscana auf. Bis dahin ist noch jede Menge Redaktionsstress angesagt. Pünktlich zum Bandende fällt die Technik aus! Aber irgendwie werden wir es wieder schaffen!
    Liebe Grüße Christine

  2. Gravatar Icon 2 Regine

    Hallo liebe Weltenbummler !

    Wir verfolgen regelmäßig Eure Abenteuer am Bildschirm und sind
    begeistert von den ausführlichen Berichten und Fotos aus Belize.
    Bitte füttert uns weiter mit interessanten Nachrichten. So können wir mit
    Euch das Land kennenlernen oder in unendliche Tiefen hinabtauchen.
    Weiterhin viel Spaß wünschen Bärbel, Gerald und Regine.

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