Eigentlich sollte der nächste Bericht ja von Borneo kommen. Nun bin ich aber, planmäßig, doch schon wieder bei Kerstin in KL/Kualal Lumpur, weil es sich hier mit der deutschen Tastatur einfach besser schreiben lässt und die Möglichkeiten auf Borneo sowieso eingeschränkt waren.
Den Flug nach Koto Kinabalu (KK) von KL aus hatte ich schon zwei Tage vor der Abreise in Deutschland gebucht. Das Ziel war eigentlich der Mount Kinabalu, mit rund 4100m der höchste Berg in Südostasien. Doch bereits auf dem Weg nach Malaysia, als ich zum ersten Mal so richtig in den Reiseführer schaute, kamen mir erste Zweifel auf. Nicht nur, dass die Wetterprognosen für die Region schlecht waren. Vor allem scheuten mit die Schilderungen vom “Stau auf dem Weg zum Gipfel” (und wenn das schon der Lonely Planet schreibt, will es etwas heißen - selbst die dort beschriebenen hidden spots sind ja überlaufen, sobald sie im Buch stehen) und der Guide-Pflicht, also Aufstieg allein nicht möglich. In KK angekommen, entschied ich mich, dort eine Nacht zu verbringen und habe gleich mit den Leuten vom Hostel über Alternativen gesprochen. Schnell war der Dschungel, d.h., die Region um den Fluss Sungai Kinabatangan, ausgemacht. Hier war es für mich wiederum selbstverständlich, vor Ort nicht ohne Führung zu sein.
Ich bin also mit dem Bus rund 6 Stunden zum vereinbarten Treffpunkt gefahren und wurde dort von einem Jeep abgeholt. Über eine Schlammpiste ging es in 1,5 Stunden mit Allrad durch den Urwald zum Fluss. Von dort mit dem Boot in die kleine Lodge auf der anderen Seite. Was sehr schön war: Außer mir nur zwei andere Touris da, zwei sehr angenehme Deutsche. Insgesamt war ich dann drei Tage dort. Wir haben etliche schöne Ausflüge per Boot und zu Fuß durch den Urwald gemacht, eine auch bei Nacht. Dabei einige Tiere, vor allem Affen (Orang Utan u.a.) und Vögel, nachts auch diverses Kleingetier gesehen. Wobei man dafür nicht weit in den Urwald musste. Das gab es zur Genüge auch in den sehr einfachen Hütten und auf dem Klo. Die Hygiene hat in dieser Zeit etwas gelitten, meine Haut hat eigentlich drei Tage nur Moskitoschutz bekommen. An einem Abend hatten wir auch Besuch von einem etwas größeren Tier. Ich war gerade beim Zähneputzen, als einer der Guides neben mir eine Taschenlampe suchte. Ca. 15m entfernt machte sich gerade ein Elefantenbulle an einer Plastiktüte zu schaffen, in der wohl mal Essen war. Ich hatte ihn in der Dunkelheit nicht bemerkt. Leider ist er dann ziemlich schnell wieder Richtung Urwald verschwunden. Nachts hörte man es dann einige Male sehr laut knacken im Gehölz. Mit dem Wetter hatte ich dort recht viel Glück, geregnet hat es vor allem in der Nacht (dann aber sehr heftig) und am zweiten Vormittag, wodurch die ohnehin schlammige Wanderung noch um einiges nasser wurde. Ein Fest für die Blutegel, die ich zahlreich von Beinen und Oberkörper entfernen musste. Zum Glück nur von den langen Klamotten. Einer hat es dann nachts doch bis auf den Bauch geschafft, aber auch den Konnte ich rechtzeitig entfernen, bevor er so richtig los legte.
Am Donnerstag ging es dann wiederum mit Boot, Jeep und Bus zurück Richtung KK. Unterwegs, wie auch auf der Hinfahrt, eine Polizeikontrolle, da die Region schon nah an der Grenze zu Indonesien liegt. Alle Buspassagiere wurden kontrolliert. Die Polizei sah sehr gefährlich aus (mit Maschinenpistolen), war aber freundlich. Ich bin dann nach vier Stunden am Mount Kinabalu National Park ausgestiegen. Ich hatte ja noch einen Tag und wollte wenigstens einige Wanderungen rund um den Berg unternehmen. Als Unterkunft hatte ich mir eine Hütte außerhalb der Parks ausgesucht, ca. 1,5km vom Parkeingang entfernt. Die Hütte stand im Lonely Planet, hatte wohl aber auch schon die besten Tage hinter sich. Als ich ankam, war sie verschlossen und es stand ein Zettel dran, wo man sich den Schlüssel holen sollte. Ich verbrachte dann die Nacht allein in der Hütte, wobei am Abend jemand kurz vorbei kam und den Generator anschaltete, so dass ich bis 10.30 abends Strom hatte. Leider war es am Ankunftstag sehr neblig und regnerisch und nachts aufgrund der Höhe auch recht kühl. Der nächste Morgen fing ähnlich an, aber zumindest hörte der Regen auf. Ich habe mir im Nationalpark einige kürzere Trails heraus gesucht und war auch hier, den zahlreichen unbeschädigten Spinnweben auf dem Weg nach zu urteilen, ganz allein unterwegs. Offensichtlich fahren alle nur dorthin, um den Berg zu besteigen. Am Ende war ich froh, mich für den Urwald und gegen den Berg entschieden zu haben. Für die Regeln im Park, nur mit Guide den Berg zu besteigen, habe ich nur zum Teil Verständnis. Für die Natur ist es gut, wenn man den Bergtourismus nicht ungezügelt seinen Lauf lässt. Warum aber limitiert man die Zahl der Besteigungen pro Tag nicht und verlangt eine deutlich höhere Gebühr? Für den Umweltschutz und die Einheimischen, die davon leben könnten gewiss auch eine Lösung. Stattdessen wird für die Touris alles leicht gemacht. Ein Guide ist Pflicht, wer will, kann auch noch einen Porter fürs Gepäck bezahlen. Wer keine Ausrüstung dabei hat: Kein Problem. Kann alles ausgeliehen werden. Essen mitschleppen? Nein, das gibt es auf den zahlreichen Hütten auf rund 3300m. Die meisten sparen sich sogar die ersten 5km bis zum Tor, ab dem nur noch in Begleitung gegangen werden darf, und lassen sich dorthin fahren. Vor und nach der Tour kann man sich in z.T. komfortables Lodges erholen. Muss man sich da wundern, wenn Hinz und Kunz auf den Berg steigt und zu bestimmten Zeiten es Staus gibt wie an den wenigen schönen Tagen auf dem Mount Everest? In der Hochsaison sollen angeblich bis zu 160 Leute gleichzeitig auf dem Gipfel sein. Gut, die Region lebt von den Touris, aber das würde sicher auch anders gehen.
Nach meinen Touren bin ich zurück in die Hütte, habe mein Zeug gepackt und mich zur Straße begeben, um einen Bus nach KK zu bekommen. War sehr erfreut, als ein Einheimischer mit seinem Auto hielt und mich zum Mitfahren aufforderte. War eine sehr schöne Fahrt. Wir haben uns ganz gut unterhalten und er hat mir noch ein wenig von der Gegend gezeigt. Die Sonne kam auf dem Weg zur Küste auch wieder raus. Und am Ende wollte er partout kein Geld von mir.
In KK habe ich mich wieder in der Step-in-Lodge eingemietet, wo wieder nur 3 andere Leute waren. Scheint nicht gerade die Hauptreisezeit zu sein. Es war aber sehr schön, da ich so meinen Schlafsaal für mich hatte. In KK konnte ich endlich mal wieder duschen. Das Hostel kann ich empfehlen, da hier alle sehr freundlich sind und das Haus ziemlich sauber. Gewöhnungsbedürftig ist das - typisch malaysische - Frühstück, eine Art Fladenbrot mit scharfer Currysause. Vor allem, wenn man es um 7.00 Uhr morgens zu sich nimmt.
Flug von KK nach KL lief problemlos. Hab dann gleich Yvonne am Flughafen abgeholt, die aus Deutschland kam. Gemeinsam sind wir zu Kerstin gefahren und haben noch einen halben Tag mit Konstanze verbracht, die heute wieder zurück fliegen musste.
Werden wohl ein paar Tage hier bleiben und dann sicher auf die Insel Langkawi, im Nordwesten fliegen. Nächste Meldung vielleicht von dort.
3 Kommentare zu “Borneo - Region Sabah: Kinabalu und Kinabatangan”
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Hi Thomas!
Man, da hast Du ja mächtig viel erlebt. Zugegebenermaßen hätte ich an der Urwaldtour wohl nicht sooo viel Gefallen gefunden, aber Du hast echt ne Menge erlebt. Schön finde ich die Geschichte von dem Malayen, der Dich kostenlos mitgenommen hat auf Deinem Rückweg.
Viel Spaß auf Langkawi (Neid, Neid!!!! und Gruß von
Iris
Hallo Thomas, ich lese deine Berichte immer mit Spannung und freu mich schon auf folgende. Hört sich alles super abenteuerlich an und ich muss zugeben, dass die Reiselust mich schon wieder gut gepackt hat.Nun gut, ich erwarte dann bald die Dia-Show und wenn wir schon dabei sind, können wir ja auch gleichmal die Dias von Vietnam angucken ;-)
Bei mir ist jetzt die letzte Uni-Woche angebrochen, ich habe alle Klausuren hinter mir und habe auch meinen gefürchteten Essay-Test mit Bravour bestanden.Ansonsten freu ich mich auf drei tolle Hausarbeiten, die ich in den Ferien schreiben muss.Anika hatte einen Sportunfall und liegt jetzt mit einer Bänderzerrung zu Hause und sie kann nichts alleine tun und ich muss sie ständig bedienen, so ein Mist aber auch :-)
Alles klar, schreib bald mal wieder und ich wünsche dir noch ganz viele tolle Erlebnisse in Malaysia,
Liebste Grüße aus der Heimat, Tine
Hi Domes,
weiter so…es ist so schön,von deinen Abenteuer zu lesen.
Alles Liebe aus Berlin…